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Dachschiefer aus dem Iberg

Schieferbergbau in Willingen

Das Upland trägt Schiefer auf dem Dach.

Stand:

Rund 150 Jahre lang wurde in Willingen Schiefer gewonnen. Aus dem Iberg kamen Millionen Dachplatten für die Region. Heute erzählt das Besucherbergwerk Grube Christine diese Geschichte.

Konzession
1859
Name „Christine“
1863
Stollen
1871
Stillgelegt
1971
Schieferlager
2–20 m mächtig

Schiefer aus Willingen: die wichtigsten Daten

In Willingen wurde nach Angaben des Nationalen GeoParks GrenzWelten rund 150 Jahre lang Schiefer abgebaut. Die fürstliche Regierung zu Waldeck erteilte 1859 die Konzession zum Abbau von Schiefer im Iberg bei Willingen, 1863 wurden vier Grubenfelder unter dem Namen „Christine“ zusammengefasst. 1971 stellte die Grube Christine den Betrieb wegen Unrentabilität ein und wurde zum Besucherbergwerk.

Begonnen hat der Abbau laut ERIH in vier Steinbrüchen, die in den 1850er Jahren eröffnet wurden. Für den Abbau unter Tage wurde 1871 der Christine-Stollen angelegt. Wikipedia nennt deshalb für die Grube Christine den Zeitraum 1871 bis 1971.

JahrEreignis
1850erVier Schiefersteinbrüche bei Willingen werden eröffnet
1859Konzession der fürstlichen Regierung zu Waldeck für den Iberg
1863Zusammenschluss der vier Felder unter dem Namen „Christine“
1871Christine-Stollen für den Abbau unter Tage
1971Ende der Förderung, Grube wird zur Besichtigung freigegeben

Wie der Schiefer im Upland entstanden ist

Der Willinger Schiefer stammt aus Tonsteinen, die sich am Boden eines Meeres abgelagert haben. Laut Museumsverband Hessen gehören die Schichten zur mitteldevonischen Kalk- und Schieferformation und sind 350 bis 400 Millionen Jahre alt. Bei der Entstehung des Rheinischen Schiefergebirges vor rund 290 Millionen Jahren wurden sie nach Angaben des GeoParks gefaltet und geschiefert.

Abgebaut wurden vier Dachschieferlager mit einer Mächtigkeit von 2 bis 20 Metern. Sie gehören zu den Astenschichten des Mitteldevons und liegen laut Schieferlexikon an der nördlichen bis nordöstlichen Flanke des Ostsauerländer Sattels. Weil die Lager steil stehen, wurde der Schiefer unter Tage gewonnen.

Arbeit unter Tage

Die Bergleute lösten den Schiefer durch Sprengen. In der Grube erinnert ein Schild „Pulverkammer“ an den Raum, in dem der Sprengstoff lagerte. Im 20. Jahrhundert arbeitete man im freitragenden Kammerabbau, also in Kammern, deren Decke sich selbst trägt. Die Schieferblöcke wurden anschließend nach über Tage transportiert.

Leicht war die Arbeit nicht. Bei den Führungen geht es laut ERIH auch um die Gefahren: Steinschlag und Lungenkrankheiten durch Staub. Für den Schieferbergbau in Südwestfalen insgesamt beschreibt Wikipedia, dass die Bohrlöcher zuerst von Hand und später mit Maschinen gebohrt wurden.

Vom Block zur Dachplatte

Über Tage wurden die Blöcke laut Gemeinde Willingen mit Hämmern in transportable Stücke zerlegt, gesägt und dann in 5 bis 8 mm dünne Platten gespalten. Mit Steinschere und Hammer bekamen die Platten ihre Form für das Dach. Im alten Spalthaus der Grube wird heute vorgeführt, wie Schiefer von Hand gespalten wurde.

Aus dem Material entstanden nach Angaben von ERIH Millionen Dachschiefer für die Region. Der blauschwarze Schiefer aus dem Iberg deckte laut Museumsverband Hessen zahlreiche Burgen, Schlösser und Kirchen in und außerhalb Hessens. Die Schieferplatten prägen bis heute das Ortsbild von Willingen und weiten Teilen des Sauerlandes. Wer mit offenen Augen durch den Ort geht, sieht sie an Dächern und Hauswänden.

Warum der Bergbau endete

Mit dem Aufkommen von Kunststoffen für Dach und Fassade wurde Schiefer aus Kostengründen immer mehr verdrängt. 1971 wurde der Abbau in Willingen wegen Unrentabilität eingestellt. Schon im späten 19. Jahrhundert hatte der Schieferbergbau in Südwestfalen laut Wikipedia mit ausländischen Zöllen und Konkurrenz aus Belgien, Frankreich und England zu kämpfen, dazu kamen steigende Kosten für Transport und Löhne.

Grube Christine heute und der GeoPark GrenzWelten

Seit der Stilllegung ist die Grube Christine in der Schwalefelder Straße 28 als Besucherbergwerk geöffnet. Sie gehört zum Nationalen GeoPark GrenzWelten, der 2006 gegründet und 2009 als Nationaler Geopark anerkannt wurde. Er umfasst laut Wikipedia 3.710 km² mit 46 Kommunen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. In einer Ausstellung zeigt die Grube Gegenstände aus Schiefer, Mineralien und Fossilien.

Führungszeiten, Eintritt und Anmeldung stehen auf unserer Seite Schiefergrube Christine. Unter Tage sind es ganzjährig 8 °C, damit ist die Grube auch ein Ziel für Willingen bei Regen. Mehr zur Ortsgeschichte lesen Sie unter Geschichte von Willingen.

Häufige Fragen

Wie lange wurde in Willingen Schiefer abgebaut?

Rund 150 Jahre. Die ersten Steinbrüche entstanden in den 1850er Jahren, die Konzession für den Iberg stammt von 1859, 1971 endete die Förderung in der Grube Christine.

Warum wurde die Grube Christine 1971 geschlossen?

Wegen Unrentabilität. Kunststoffe für Dächer und Fassaden waren günstiger und verdrängten den Schiefer.

Wie alt ist der Schiefer in Willingen?

Die Schichten stammen aus dem Mitteldevon und sind laut Museumsverband Hessen 350 bis 400 Millionen Jahre alt.

Kann man die Schiefergrube in Willingen besichtigen?

Ja, mit Führung und nach Anmeldung über die Tourist-Information. Zeiten und Preise stehen auf der Seite Schiefergrube Christine.

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