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Eine Wandergruppe mit Hund auf einem Weg durch die Hochheide bei Willingen

Überlieferungen aus dem Upland

Sagen und Legenden aus dem Upland

Erzählt wird viel, belegt ist wenig.

Foto: Tourist-Information Willingen, David Heise

Stand:

Rund um Willingen hängen einige Sagen an Quellen, Bergen und alten Burgwällen. Hier stehen nur Überlieferungen, die in Quellen nachzulesen sind, und daneben, was die Forschung dazu sagt.

Christenbörnchen
zwischen Usseln und Rattlar
Hermannsberg
705,1 m
Schwalenburg
8.–10. Jh.

Sagen im Upland: worum es geht

Im Upland um Willingen sind mehrere Sagen überliefert, die an konkreten Orten hängen. Die bekanntesten erzählen vom heiligen Sturmius am Christenbörnchen und von Hermann dem Cherusker am Hermannsberg bei Rattlar. Beide Geschichten sind Überlieferungen, keine belegten Ereignisse, und werden hier auch so behandelt.

Wir haben nur aufgenommen, was in einer nachprüfbaren Quelle steht. Weitere Erzählungen, die mündlich weitergegeben werden, fehlen deshalb auf dieser Seite.

Das Christenbörnchen: Taufe durch Sturmius

Das Christenbörnchen ist eine kleine Quelle zwischen Usseln und Rattlar. Der Überlieferung nach soll der heilige Sturmius, ein Schüler des Bonifatius, die Upländer im 8. Jahrhundert an dieser Quelle getauft haben. So beschreiben es Willingen Tourismus und der Wikipedia-Artikel über Rattlar.

Als historischen Rahmen nennt Wikipedia die Sachsenkriege Karls des Großen zwischen 772 und 804, in denen die Sachsen unterworfen und zwangschristianisiert wurden. Belegt ist dagegen, was heute geschieht: Aus der Quelle wird noch immer Taufwasser geholt, und die Kirchengemeinden im Upland feiern dort von Zeit zu Zeit gemeinsame Tauffeste. Das Christenbörnchen liegt am Upländer Besinnungsweg, siehe Pilgerweg.

Hermann und Thusnelda am Hermannsberg

Der Hermannsberg ist 705,1 m hoch und liegt etwa 800 m südsüdöstlich von Rattlar und 2,5 km nordnordwestlich von Usseln. Der Sage nach soll sich Hermann der Cherusker hier heimlich mit seiner späteren Frau Thusnelda getroffen haben. Sie war die Tochter des römerfreundlichen Fürsten Segestes, der auf der Schwalenburg gelebt haben soll. Die Wegbeschreibung des Uplandsteigs fügt selbst hinzu, dass diese Sage jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.

Eine zweite Überlieferung zum Berg zitiert die Waldeckische Landeszeitung: Der Hermannsberg sei der Ort, wo der Sage nach die alten Germanen den Göttern huldigten.

Wie lebendig die Hermann-Erzählung vor gut hundert Jahren war, zeigt der Gipfel. Dort steht laut Wikipedia der Hermannstein, ein großer Feueraltar mit Sonnenrad, den Pfingsten 1912 rechtskonservative Gruppen als Feierstätte errichteten. Er ist ein Zeugnis dieser Zeit, kein Beleg für die Sage.

Die Schwalenburg: was Archäologen sagen

Die Schwalenburg bei Schwalefeld ist eine frühmittelalterliche Wallburg mit drei Wallringen auf rund sechs Hektar. Nach Wikipedia und Willingen Tourismus entstand sie zwischen dem späten 8. und dem 10. Jahrhundert, Spuren von Kalkmörtel in den Toranlagen sprechen für diese Zeit. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1537 als „Borgh zu Schwalefeld“.

Arminius, wie Hermann der Cherusker eigentlich hieß, lebte um die Zeitenwende. Zwischen ihm und dem Bau der Wallburg liegen also mehrere Jahrhunderte. Ein Holzturm in der Anlage gibt einen Überblick über die Wälle, ein Ringwallweg mit Infotafeln erklärt die Geschichte.

Karl der Große auf dem Frankenpfad

Auch der Frankenpfad am Uplandsteig hat seine Überlieferung. Karl der Große soll hier im Jahr 772 mit seinem Heer durchgezogen sein, um die Eresburg bei Obermarsberg zu zerstören. So steht es in der Wegbeschreibung des Uplandsteigs. Wer die Orte der Sagen selbst sehen will, wandert auf dem Uplandsteig: Er führt an der Schwalenburg und am Hermannsberg vorbei. Weitere Ziele finden Sie unter Sehenswürdigkeiten.

Häufige Fragen

Welche Sagen gibt es im Upland?

Gut belegt sind zwei Überlieferungen: die Taufe der Upländer durch den heiligen Sturmius am Christenbörnchen und das heimliche Treffen von Hermann dem Cherusker mit Thusnelda am Hermannsberg. Dazu kommt die Erzählung, Karl der Große sei 772 über den Frankenpfad gezogen.

Wo liegt das Christenbörnchen?

An der Straße zwischen Usseln und Rattlar, am Upländer Besinnungsweg. Der Besuch ist kostenlos, es gibt Parkplätze.

Ist die Sage von Hermann und Thusnelda wahr?

Nein, sie entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Die Schwalenburg, auf der Segestes gelebt haben soll, entstand erst im 8. bis 10. Jahrhundert.

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